Das Kinderdorf „Patmos“ im Kongo musste seit September 31 neue Waisenkinder aufnehmen, sieben davon kurz vor Weihnachten. Die Kinder sind gesundheitlich und seelisch in großer Not und das Kinderdorf ist durch diese Situation sowohl menschlich als auch finanziell sehr gefordert. Dank eines Spendenaufrufs über den Blog stadtlandmama.de von Lisa und Katharina konnten vor Weihnachten 3.000 Euro für dieses Kinderdorf gesammelt werden.

Auf dem Bild sehen Sie die Kinder mit ihrer neuen Kleidung in einem der Häuser, in dem sie untergebracht wurden. Es geht ihnen deutlich besser als kurz nach ihrer Ankunft.

Woher kommen diese Kinder und warum wurden sie nach Patmos gebracht?

Einige Kinder haben ihre Eltern und Geschwister durch eine Serie von Erdrutschen verloren, die sich seit September 2017 im Kongo ereignet haben. Diese Erdrutsche sind eine Folge der Bodenerosion, bei der der Boden aufweicht und sich durch starke Regenfälle in Schlammlawinen verwandelt. Die meisten neuen Kinder kommen jedoch aus einer Region namens Beni Territory. In dieser Region treiben Rebellen der FDLR-Miliz an der Grenze zu Uganda ihr Unwesen. Sie überfallen die Menschen nachts in ihren Häusern, töten und vergewaltigen die Erwachsenen und verschleppen die größeren Kinder, um sie zu Rebellen auszubilden. Die kleinen Kinder überlassen sie sich selbst. Viele der nun angekommenen Kinder waren wochenlang in den Wirren dieses Kriegsgebiets ganz auf sich gestellt. Jetzt sind sie in Sicherheit.

Wie wurde den Kindern bisher geholfen?

In „Patmos“ wurden sie als erstes ärztlich versorgt und haben auch psychologische Begleitung erhalten. Alle Kinder waren stark unterernährt, langsam erholen sie sich. Die meisten Kinder leiden an einer Mangelerkrankung, die sich Kwashiorkor (Hungerödem) nennt.

Wo wurden die Kinder untergebracht?

Die 31 Kinder wurden auf zwei Häuser verteilt, davon sind 15 Kinder im dafür geräumten Bürogebäude untergekommen. Die anderen 16 Kinder sind in Haus 9, das bisher leer stand, untergebracht. In Haus 9 gibt es weder Möbel noch Geschirr oder Ähnliches. Pro Haus sind zwei Frauen eingestellt worden, die sich um die Kinder kümmern. Außerdem gibt es einen Koch und für beide Häuser einen „Hausmeister“, der sich um Feuerholz und Heizmaterial für die Küche kümmert und das Essen zu den Kindern bringt, die noch im Krankenhaus sind. Auf diese Weise kümmert sich jede Mutter um sieben bis acht Kinder.

In beiden neuen Häusern arbeiten die Mütter sehr hart und rund um die Uhr. Denn die Nächte in den neuen Häusern sind auf Grund des Leides der Kinder oft schlaflos. Da viele der neuen Kinder unter Durchfall und Parasitenbefall leiden, gibt es einen hohen Wäscheverbrauch. Die Mütter werden von den größeren Mädchen aus “Patmos” unterstützt, die ihnen bei der Wäsche zur Hand gehen.

Was sind die nächsten Schritte?

Die größte Herausforderung ist im Moment, an ausreichend Nahrungsmittel zu kommen. Durch mehrere Erdrutsche sind die Gärten des Kinderdorfes verwüstet. Im Moment werden die Schäden aufgeräumt und die Nahrung muss aus den umliegenden Ländern besorgt werden.

Wenn sich die Gesundheit der Kinder stabilisiert hat, werden sie in den dorfeigenen Kindergarten gehen. Hierfür benötigt das Kinderdorf Mittel, um Erzieherinnen einstellen zu können. Auch die neuen Hauseltern müssen bezahlt werden und das Mobiliar für die provisorischen Unterkünfte muss schnellstmöglich angeschafft werden. Das ist in der jetzigen Situation alles andere als einfach und erfordert von allen Verantwortlichen sehr viel Einsatz und Kraft.