Im April war Anja Lemmermann in „Los Pinos“ und hatte dort auch Gelegenheit, mit dem Ehepaar Fleck zu sprechen. Rick Fleck ist der Sohn des Gründerehepaares von ICC, die das erste Dorf, „Los Pinos“ in 1976 gegründet haben.

Anja Lemmermann: Wir feiern dieses Jahr 15. Jubiläum und haben ein paar Fragen zu den Erfolgen und Herausforderungen dieses Kinderdorfes und euren Plänen für die Zukunft.

Sharon Fleck:

Es gab in den letzten Jahren viele Herausforderungen, die sich immer wieder verändert haben. Anfangs ging es darum, überhaupt mit dem Bau der Gebäude zu beginnen. Hier draußen in „Los Pinos“, war es schwer Leute zu bekommen, um die Gebäude fertigzustellen. Heute ist dies weiterhin schwierig, denn „Los Pinos“ liegt sehr abgelegen und die Mitarbeiter müssen in das Kinderdorf ziehen, um hier arbeiten zu können. Das ist eine große Verpflichtung. „Los Pinos“ war unser erstes Projekt, bei den späteren Projekten war das dann einfacher, denn dann wussten wir, was wir brauchen. Stück für Stück haben wir dazu gelernt. In den letzten 15 Jahren haben wir viel Wachstum erlebt und wir sind sehr dankbar für die Hilfe unserer Partner, wie zum Beispiel in Deutschland.

Anja L.: Was ist heute die größte Herausforderung eurer Arbeit?

Sharon F.:

Die größte Herausforderung ist es, Gelder für das alltägliche Leben, sprich den nachhaltigen Erhalt des ganzen Betriebes „Kinderdorf“ zu bekommen. Es ist vergleichsweise leicht, Gelder für ein neues Gebäude zu sammeln. Denn das ist greifbar, Spender und Investoren können es sehen. Hingegen Familie, Kontinuität und Bildung anzubieten, ist für Spender häufig nicht so greifbar. Daher ist es immer wieder schwer, den Alltag zu kommunizieren und dafür Gelder zu erhalten.

Aber gerade dank der Unterstützung durch unsere Partner, also Deutschland, Niederlande, und Großbritannien, sind wir mittlerweile auch in der Lage, unsere eigenen Psychologen und Sozialarbeiter einzustellen. Das macht für die Kinder einen riesigen Unterschied.
In den Anfängen war es eine große Herausforderung, auf ihre psychologischen und emotionalen Bedürfnisse einzugehen. Aber heute, nachdem wir nun doch einiges gewachsen sind, können wir auch auf diese Bereiche ihres Lebens besser eingehen und so für das umfassende Wohlbefinden sorgen.

Anja L.: Was ist die Rolle der Psychologen vor Ort und warum sind sie so wichtig?

Sharon F.:

Wir sind sehr froh, dass wir hier in „Los Pinos“ zwei Psychologinnen haben. Dadurch können wir die Kinder ganzheitlich betreuen. Auch unsere Sozialarbeiter und unsere Lehrer sind sehr gut. Inzwischen besetzen wir diese Stellen auch mit Kindern, die hier groß geworden sind. Und wer könnte die Situation der Kinder hier besser verstehen als Menschen, die da selbst durchgegangen sind?

Viele kommen zurück und sagen „Ihr habt uns hier so viele Möglichkeiten eröffnet, ich hab die vielleicht nicht alle genutzt, aber ich bin sehr dankbar für das, was ihr für mich getan habt.“ Die Kinder bleiben in Kontakt, auch wenn sie das Kinderdorf verlassen haben, es entsteht sogar ein Alumni-Verein.

Anja L.: Was sind die schönsten Erfolge eurer Arbeit hier?

Sharon F.:

Für mich ist das Schönste an dieser Arbeit, dass die Erfolge mit den Kindern Bestand haben. Sie ziehen sich durch alle Jahre, die wir hier arbeiten. Viele Kinder schaffen nach der Schule hier einen höheren Bildungsweg und sie werden dann erfolgreiche Erwachsene, die einen großen Beitrag für die Gesellschaft in Guatemala leisten.

Anja L.: Können Sie vielleicht was zur Partnerschaft mit CFI In den letzten 15 Jahren sagen?

Rick F.:

„Wir nennen uns ICC-Familie, die Familie, die für viele Kinder in Not da ist und die über etliche Ländergrenzen hinaus zusammengewachsen ist. Besonders CFI Internationale Kinderhilfe ist für uns eine wichtige Partner-Organisation. Seit 15 Jahren hilft CFI spontan und zusätzlich zur regelmäßigen Unterstützung der Kinderdörfer. Im Kongo, als dort Ende letzten Jahres viele neue Kinder aufgenommen werden mussten, hat CFI sofort geholfen. Auch heute noch befindet sich das Kinderdorf in einer Ausnahmesituation. Ohne unsere Partner weltweit könnten wir diese großen Aufgaben nicht bewältigen. Wir schätzen die unkomplizierte und wirksame Zusammenarbeit mit CFI Kinderhilfe sehr und danken dem Team und den Spendern in Deutschland von ganzem Herzen.“

Anja L.: Was ist für Sie die Motivation, immer weiter zu machen mit Ihrer Arbeit?

Rick F.:

Für mich ist es sehr berührend, dass die Kinder trotz ihrer Verletzungen hier lernen wieder zu lieben. Sie haben natürlich weiterhin Verletzungen, die sie mit sich herumtragen, aber durch diese neue Familie und durch die Menschen, die sie hier unterstützen, auch die anderen Kinder, können sie wieder vertrauen und leben lernen. Manche dachten, sie würden nie ein normales Leben führen. Und dennoch: sie lernen das hier, gehen zur Schule und sie werden Erwachsene, die Gutes in der Welt tun können.

Sie möchten helfen? Spenden Sie für die Kinderdörfer, die jeden Tag Großartiges für die Kinder leisten. Danke.