Bildung ist in Indien ein Privileg, das nicht selbstverständlich oder jedem zugänglich ist. Die Qualität des Unterrichtsangebotes zwischen privaten und staatlichen Schulen schwankt enorm. Bis heute investiert der indische Staat vergleichsweise wenig in die Bildung des Nachwuchses1: Auch ist es eher selten, dass Kinder einfach „nur“ in die Schule gehen. Meistens helfen Kinder dabei, die Existenz der Familie zu sichern. Vor allem auf dem Land ist der Zuverdienst von Kindern ganz normal2.

Devdan´s Geschichte

Das ist Devdan*. Er verlor kurz hintereinander beide Eltern. Sein Großvater konnte sich nicht um ihn und seine Schwester kümmern. Daher kamen beide 2013 nach „DEWS Sweet Home“. Körperlich ging es ihm gut, sein seelischer Zustand war jedoch sehr labil. Ihm fehlten seine Eltern sehr. Er wurde zusammen mit seiner Schwester in einem Haus untergebracht und weinte in der Anfangszeit sehr viel. Die Geschwister gaben sich gegenseitig Halt und lernten mit der Zeit, sich in ihrer neuen Umgebung zurecht zu finden.

Ungestört lernen – ein Privileg

Nach einer Zeit der Eingewöhnung fand Devdan schnell Anschluss. Er ist ein hilfsbereiter Junge, der seine neue Familie unterstützt, indem er zum Beispiel im Garten zur Hand geht. Devdan ist sehr aktiv und ständig unterwegs. Den Unterricht in der dorfeigenen Schule besucht er sehr gerne. Er lernt außergewöhnlich schnell und ist mit Feuereifer in der Schule dabei. Das ist möglich, weil er nicht zusätzlich etwas zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen muss, wie viele andere Mädchen und Jungen in seinem Alter. Im Kinderdorf dürfen Kinder wie Devdan ungestört lernen, und können so den für sie bestmöglichen Schulabschluss machen.

Devdan will Lehrer werden

Devdan möchte später Lehrer werden und Kinder unterrichten. Das weiß er jetzt schon sehr genau, darauf arbeitet er zielstrebig hin. Als Lehrer kann er wiederum anderen Kindern auf ihrem Weg helfen, in qualifizierten Berufen Fuß zu fassen. So kann die Investition in die Bildung eines Kindes weite Kreise ziehen. Und hilft Schritt für Schritt, das Leben von Kindern in Indien zu verbessern.

*Name zum Schutz des Kindes geändert

1 Während beispielsweise die öffentlichen Bildungsausgaben in der EU bei 5,4 Prozent des BIP liegen (Daten von 2010), liegen die öffentlichen Bildungsausgaben in Indien im gleichen Jahr bei nur 3,3 Prozent.

2 So kann ihr Anteil am Haushaltseinkommen von einem Viertel bis hin zu 40 Prozent ausmachen.