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Ein großes Herz für traumatisierte Kinder

Vom Kinderdorf-kind zur Kinderdorf-Psychologin

Psychologin hilft traumatisierte Kinder in Guatemala

Angela in Gespräch mit CFI

Angela war selbst Kind im Kinderdorf „Los Pinos” in Guatemala. Heute ist sie Psychologin und hilft im Kinderdorf den traumatisierten Kindern, mit dem Erlebten besser umgehen zu können. Niemand kann sich besser in die Kinder einfühlen als Angela. Denn sie spricht aus eigener Erfahrung: Angela war fünf Jahre alt, als sie aus ihrem Elternhaus weglief. Durch eine Anzahl glücklicher Zufälle kam sie mit acht Jahren nach „Los Pinos“. Im Gespräch mit CFI-Kinderhilfe hat sie das erste Mal über ihre Geschichte und ihren Werdegang – nachdem sie das Kinderdorf verlassen hatte – und ihre jetzige Arbeit dort erzählt. Auszüge aus diesem Gespräch lesen Sie hier. Die Namen, die verwendet wurden, haben wir zum Schutz der Personen geändert.

Mein Psychologiestudium und meine eigene Familie haben mich geheilt

Meine Berufung in „Los Pinos” –
Geborgen in Gottes Hand

Als ich dann angefangen habe, in „Los Pinos” zu arbeiten, da spürte ich, dass ich hier am richtigen Platz bin. Die Geschichten der Kinder berühren mich immer sehr. Ich arbeite jetzt seit elf Jahren hier. Eine große Einsicht hatte ich vor ein paar Jahren, als ich an einem Workshop in Guatemala Stadt teilnahm. Der Workshop hieß „Beim Spielen finden wir Kraft“. Es ging darum, wie wir als Erwachsene Kindern geistliche Themen näherbringen. Ich spürte dort auf eindrucksvolle Weise, dass – auch wenn ich selbst keine Eltern hatte, die mich begleiten und umsorgen konnten – der Weg, auf dem ich gehe, dennoch von Gott geleitet wird. Und ich kann den Kindern hier das zurückgeben, was ich selbst von meinen Hauseltern bekommen habe.

Was mich am meisten berührt
an meiner Arbeit mit den Kindern in „Los Pinos”

Mich berührt ganz vieles! Manche hier nennen mich Mama. Das sagen sie eigentlich nur zu jemandem, der sie versorgt. Momentan arbeite ich mit einem Jungen. Er kam mit sechs Jahren nach „Los Pinos“. Jetzt ist er 13. Er ist sehr rebellisch. Manchmal muss ich mit ihm weinen, weil ich verstehe, dass ihm diese elterliche Liebe genauso fehlt wie sie mir fehlte. Seine eigenen Eltern haben ihn verkauft. Er hätte von Amerikanern adoptiert werden sollen, aber das war illegal. Er ist schwer traumatisiert. In meiner Arbeit brauche ich ein Gleichgewicht. Ich muss einerseits die Kinder und ihre Traumata verstehen, andererseits muss ich auch einen richtigen und für sie gangbaren Weg aufzeigen. Das ist manchmal sehr schwierig.

Über die Eltern-Kind-Beziehung und die Arbeit mit den Kindern in „Los Pinos”

Ich habe soeben eine dreijährige Fortbildung abgeschlossen. Ich bin gerade erst zurückgekehrt und noch voller Eindrücke. Ein Problem ist, dass wir hier häufig keine guten Bücher für die Arbeit mit den Kindern finden. Die meisten Bücher setzen voraus, dass Kinder gute Eltern haben. Es gibt nicht viel Material zum Umgang mit Kindern, die ohne ihre Eltern aufwachsen müssen. In dieser Fortbildung gab es endlich einmal solches Material! Das habe ich auch für die anderen Mitarbeiterinnen mitgebracht. Da geht es zum Beispiel darum, wie man eine Bindung zu einem Kind aufbaut. Oder wie man damit umgeht, wenn ein Kind etwas Bestimmtes nicht machen will – nicht, weil es generell doof findet, was man von ihm möchte, sondern weil man unbewusst einen Trigger gefunden hat. Auch die Hauseltern benötigen hier viel Unterstützung. Sie werden regelmäßig pädagogisch geschult.

Es gibt noch viel zu tun in „Los Pinos“! Mit Ihrer Spende für das Kinderdorf leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um die schwierige Situation vieler Kinder in Guatemala nachhaltig zu verbessern.

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In der Uni war Therapie ein Bestandteil meines Unterrichts, denn man muss erst selbst heilen um anderen helfen zu können. Selbst als ich hier in „Los Pinos“ war, hatte ich Albträume davon, wie mich meine Stiefmutter verprügelt hatte. Auch wenn ich am Anfang noch nicht alles in seiner Tragweite begriff, bemerkte ich schnell, dass mir das Studium dabei half, meine eigene Geschichte aufzuarbeiten. Gegen Ende meines Studiums ging es mir dann gut. Ausschlaggebend dafür war, dass viele Menschen für mich da waren, die mir wirklich helfen wollten. Auch habe ich gelernt, mich meinen Ängsten zu stellen. Das hat mir sehr geholfen. Ich habe geheiratet und zwei Kinder bekommen. Meine Kinder haben mein Leben wirklich verändert. Mit ihnen habe ich die Liebe neu kennengelernt, meine Liebe als Mutter. Und diese Liebe hilft auch den Kindern in „Los Pinos“: denn sie lernen, wie groß das Geschenk ist, bedingungslos geliebt zu werden und selbst zu lieben.

"Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt."
Einstein